Leitwort aus Peter Hesses Schulzeit - Hier die Übersetzung eines in Haiti gefundenen französischen Textes:

DENNOCH

Die Menschen sind unvernünftig, unlogisch und egozentrisch.
Liebe sie DENNOCH!
Du tust Gutes.
Man wird Dich beschuldigen, daraus Vorteile zu ziehen.
Tue DENNOCH Gutes!
Wenn Du damit Erfolg hast,schaffst Du Dir falsche Freunde und echte Feinde.
Sei DENNOCH erfolgreich!
Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit machen Dich verletzbar.
Sei DENNOCH ehrlich und aufrichtig!
Die herausragendsten Menschen mit dem weitesten Horizont können leicht von den mittelmäßigsten Menschen mit dem engstirnigsten Geist besiegt werden.
Denke DENNOCH in offenen, weiten Dimensionen!
Die Menschen interessieren sich für die Unterdrückten, stellen sich jedoch auf die Seite der Sieger.
Kämpfe DENNOCH für die Unterdrückten!
Was Du in Jahren erbaut hast,kann in einem Tag zerstört werden.
Baue DENNOCH!
Die Menschen brauchen wirklich Hilfe, können Dich jedoch angreifen, wenn Du ihnen hilfst.
Helfe ihnen DENNOCH!
Gib Dein Bestes und man wird Dir mit Fußtritten danken.
Gebe DENNOCH Dein Bestes!



Persönliches Schreiben von Peter Hesse am 1. Mai 2015

Die große Japanische Zierkirsche im Nachbargarten hat vor wenigen Tagen ihre Blütenpracht abgeworfen. Oben ragen drei Zweige aus dem Baum hervor. Ich liege sinnierend in der Mittagsruhe auf meinem Bett und sehe – eingerahmt von unserem Düsseldorfer Schlafzimmerfensterm – einen wunderschönen Papagei, genauer, einen grünen Halsbandsittich auf einem der obersten Zweige ruhen. Er wartet geduldig auf sein Mittagsfutter auf der Fensterbank in einer Etage über uns. Noch ist er alleine, ohne seine rund 10-köpfige Familie die sich aus einem in Düsseldorf entflogenen Sittichpaar entwickelt hat. Er kommt, wie heute, gelegentlich auch alleine zur Futterstelle über uns.

Er veranlasst mich, über das Leben zu grübeln, nicht nur über mein Leben.
Warum schreibe ich dies nun? Ich bin kein Poet; "nur" Praktiker. DENNOCH bewegt mich diese Frage, denn heute, am 1. Mai, 2015 hatte ich beschlossen, den Jahresbericht 2014 der Peter-Hesse-Stiftung zu formulieren – sachlich, wie immer in den letzten über dreißig Jahren. Unsere Freunde und Unterstützer erwarten einen konkreten Projektbericht. Verbergen möchte ich meine Gefühle und Gedanken aber auch nicht. – Also:
Also erst mal aufschreiben, was mir heute in den meditativen Sinn kommt.

Der Sittich dort draußen wartet auf sein gewohntes Futter. Was denkt er? Was fühlt er wohl? Warum ist er heute alleine gekommen? Denkt er über sein Leben nach? Ich versuche, mich in ihn hineinzufühlen. Ich werde mir erneut der Einheit allen Lebens bewusst – und unserer unendlichen Lebensvielfalt.
Wie ausgeprägt ist wohl das Bewusstsein meines Sittichs? Ist er bewusst glücklich in der Erwartung, irgendwann wieder im Haus über uns Erdnusskerne aufpicken zu können? Hat er wohl Visionen jenseits der Futtererwartung? Wie bewusst lebt so ein Vogel? Mich treibt mein Bewusstsein, die Lust, im Leben mitzugestalten, auch als Senior weiter an.

Der geduldig wartende Vogel vor meinem Fenster lässt mich aber darüber grübeln, ob nicht auch geduldiges Warten, ein Sich-treiben-lassen, ein "gutes Gefühl" ist.

Wie wichtig sind mir meine Visionen? Wie unverzichtbar ist Erfolg für mich?

Im Oktober 2014 wurde mein Erfolgswille wieder auf die Probe gestellt. Das Ergebnis: Ein erneuter Bewusstseinsschub, dass nicht jede sinnvolle Vision realisierbar ist. DENNOCH muss es immer wieder versucht werden, sagt die innere Stimme, meine emotionale Prägung – oder rebelliert hier nur der Stolz, mein Ego?

Im vergangenen Jahr 2014 hatte ich versucht, meine im Bewusstsein verankerten Lebenserfahrungen in einem französisches Tagesseminar zusammenzufassen und das Ergebnis in Paris öffentlich anzubieten – mit einem frustrierenden Ergebnis: Keiner kam. Zwei Freundinnen aus unserem Bekanntenkreis, die mir helfen wollten, das Seminar technisch zu gestalten, trösteten mich. Nach kurzer Frustrationspause hatte ich jedoch beschlossen, meinem DENNOCH-Prinzip zu folgen und die sinnvollen Lernerfahrungen doch noch zu verarbeiten – allerdings nur noch für ernsthaft interessierte, für solche Erfahrungen konkret nachfragende Gruppen.


In den letzten dreißig Jahren wuchs in der konkreten Entwicklungszusammenarbeit die Erkenntnis, dass menschliche Entwicklung von innen und von "unten" wachsen muss. Dies erfordert Demut und Lernen, was Menschen wirklich wollen, was ihnen nutzt. Es erfordert wohl auch Geduld (wie es mir der Vogel auf dem Baum vor dem Fenster zeigte). Das gilt wohl auch für die Weitergabe des im Leben Gelernten.
Der innere Drang, anderen, insbesondere jüngeren Menschen Lernerfahrungen zu vermitteln, ist DENNOCH lebendig. Er führte schließlich – neben der vorrangigen Arbeit für das weitere Gedeihen und die Zukunft unseres Montessori-Engagements für Kinder in weniger begünstigten Situationen – s. Projektbericht aus Liancourt, Haiti – zur vereinfachten Neugestaltung meiner früheren Management-Seminare.

Die Lust an der gesellschaftlichen Mitgestaltung – und das DENNOCH Prinzip – sind und bleiben die Wurzeln des neuen Seminarkonzeptes "Management im Wandel"

Das CENTRE MONTESSORI D'HAITI wie auch die Lehrerinnen-Ausbildungs-Initiative in Abengourou, Côte d'Ivoire, wachsen und gedeihen mit finanzieller Hilfe eines kleines Kreises treuer Freunde und Unterstützer sowie mit jährlichen Eigenspenden – aber vor allem Dank der Treue und Ausdauer meiner Montessori-Projektpartnerin Carol Guy-James Barratt aus Trinidad. Sie lebt nun wieder mit ihrem US-amerikanischen Ehemann Chris in Haiti. Chris Barratt konnte sich vom USA-Entwicklungsdienst USAID erneut nach Haiti versetzen lassen. Somit ist es Carol möglich, die weitere Entwicklung unseres Kernprojektes der Montessori Lehrerinnen-Ausbildung selbst zu überwachen. Dafür bin ich sehr dankbar, denn nach 46 Haiti-Reisen in 35 Jahren darf ich nun wegen meiner Herzoperation nicht mehr in so entlegene Gegenden wie nach Liancourt reisen.

Das Montessori-Projekt wird zwar immer eigenständiger – aber für eine qualitative Weiterentwicklung sind immer noch neue Finanzmittel notwendig. Um dies auch weiterhin leisten zu können, bin ich unserem Freundeskreis der treuen Spender natürlich sehr dankbar für deren Hilfe. Solange ich lebe und hoffentlich auch noch darüber hinaus bleibt die Peter-Hesse-Stiftung in ihrer personellen Verbindung mit der Association Montessori Internationale (AMI) eine sichere Quelle, um Kindern auch in weniger begünstigten Situationen in der Welt eine Chance zu geben, sich eigenständig zu entwickeln. Die Verwaltung unserer weiterhin selbständigen Stiftung in Düsseldorf ist nun seit 2013 auch über meine Lebenszeit hinaus durch die Gastgeberschaft der Schmitz-Stiftungen für uns, wie auch für andere kleinere Stiftungen, gesichert.

Der globale Bedarf an qualifizierter frühkindlicher Ausbildung für eine weiter lernende Menschheit bleibt groß – bis es der Weltgemeinschaft gelingt, friedliche globale Rahmenbedingen und gerechte Strukturen in EINEr Welt in Vielfalt zu gestalten.
Diese große Vision darf nicht aufgegeben werden!
Mit freundlichem Grüßen aus Düsseldorf – am 1. Mai 2015

Peter Hesse – Peter-Hesse-Stiftung – www.solidarity.org -

Zwei Seiten von Peter Hesse vom 1. Mai 2015 als PDF

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